Tatjana und Marie-Sophie im Café
Sophie betritt das Café. Sie geht zum Tresen, um Tatjana etwas zu fragen. Am Tresen sitzt Guido und liest in der Zeitung den Anzeigenmarkt.
Tatjana: Dschen dobbre, Sophie. Was kann ich für dich tun?
Sophie: Hallo, Tatjana. Ich hätte da mal eine Bitte. Du weißt doch, daß wir heute eine Party anläßlich des 25. Jubiläums vom Verein für Deutsche Tugenden geben, und dafür brauche ich noch ein paar Gläser. Hast du ein paar für mich?
Tatjana: Selbstverständlich! Wie viele brauchst du denn?
Sophie: Ich denke, 10 Gläser sollten genügen.
Im Hintergrund murmelt Guido vor sich hin.
Guido: Diese Scheiß-Polen nehmen uns die ganze Arbeit weg. Und ich als Deutscher warte schon ewig auf einen anständigen Arbeitsplatz.
Tatjana: So was muß ich mir den ganzen Tag anhören! Was denkt der denn? Als ich nach Deutschland kam, mußte ich mich auch mit kleinen Jobs durchschlagen.
Sophie: Er könnte sich mit Arthur zusammentun. Der redet auch den ganzen Tag so'n Mist. Denk' dir nichts dabei.
Sie wendet sich an Guido. In ihr kommt die Wut der vielen Jahre hoch, die sich gegenüber Arthur aufgestaut hat.
Sophie: So, jetzt hör' mir mal zu! Solche Typen wie du gehen mir schon lange auf die Nerven. Anstatt hier rumzuhocken, solltest du dich lieber um eine Arbeit bemühen! Wenn du hier den ganzen Tag am Tresen sitzt, wirst du sicher nirgends angenommen!
Vor Wut zerdrückt Sophie ihr Glas. Das zersplitternde Glas zerschneidet ihre Handfläche. Blut rinnt den Arm hinab und tropft auf den Tresen.
Tatjana: Oh mein Gott, Sophie! Was hast du gemacht? Los Guido, sitz da nicht so rum! Unternimm etwas! Hier hast du einen Verbandskasten.
Guido öffnet den Kasten und nimmt Jod heraus. Er desinfiziert die Schnittwunden und umwickelt sie mit einer Mullbinde.
Tatjana: Mensch! Da war ja ein richtiger Meister am Werk. Besser hätte ich es auch nicht gekonnt.
Guido: Das habe ich gleich am Anfang in meinem Medizinstudium gelernt.
Tatjana ist immer noch sehr geschockt.
Guido: Tatjana, du siehst ja so blaß aus. Warte, ich hole dir ein Glas Wasser.
Tatjana: Danke Guido, das ist nett von dir. Hoffentlich ist es nicht so schlimm.
Guido: Keine Sorge! Das wird schon wieder. Es tut mir leid, daß ich vorhin so unfreundlich war. Es nervt mich nur, wenn ich keine Arbeit finde.
Tatjana: Ist schon in Ordnung. Aber du gibst dir auch nicht gerade viel Mühe.
Guido: Geht's wieder? Ich muß jetzt los mir eine Arbeit suchen.
Tatjana: Okay! Mach's gut.
Inzwischen ist es schon Abend geworden.
Die WG-Mitglieder treffen sich in ihrer
Wohnung wieder.
3cafe02.htm (c) Nordsee-Gymnasium-Büsum
by S. Fischer, P. Hentschel und K. Richert
last update 4Feb97